Die nicht gestellte Frage: Wie stellen wir uns unsere Zukunft vor?
Wir leben in einer Welt, in der wir – die Menschen – von uns – den Menschen – verwertet werden.
Diese Verwertung – Arbeiten zu müssen, um leben zu dürfen – ist für viele völlig normal.
Diese Normalität bedeutet, dass wir endliche, unwiederbringliche Lebenszeit mittels Arbeitszeit vernichten.
Es wird gesellschaftlich akzeptiert, dass man hierfür unverhältnismäßig schlecht entlohnt wird.
Wieso schlecht? Stelle dir folgende Vergleichsfragen:
- Wie viele Stunden musst du arbeiten, um eine Stunde deiner eigenen Leistung zu kaufen?
- Die Antwort zeigt dir, wie viel Staat und Unternehmen dir rauben und was letztlich bei dir ankommt.
- Spoiler: Häufig ist das Verhältnis 5 (Stunden zu arbeiten) : 1 (Stunde zu erwerben).
- Welchen Wert hat eine Stunde vernichteter Lebenszeit?
- Unbezahlbar.
Dies ist aber nur die unmittelbare Auswirkung.
Eigentlich liegt das Problem in einer Rekursion: Ohne menschliche Beteiligung tendiert der Preis eines Produkts oder einer Leistung gegen null – es ist der Mensch an der Wertschöpfung, der den Preis erzeugt.
Wieso dies so ist, ist banal: Der beteiligte Mensch will seine vernichtete Lebenszeit entlohnt wissen.
Jetzt reden wir ständig von Liefer- oder Produktionsketten – oder anderen Gebilden, an denen viele Menschen beteiligt sind. Im Ergebnis entkoppelt sich der Preis vom Produkt. Du zahlst überwiegend den Menschen, der es produziert – das Produkt ist in den Kosten nebensächlich.
Durch diese Systematik hat sich auch ein Macht- und Erpressungshebel entwickelt.
Du darfst nicht leben – es sei denn, du verwertest dich.
Die Konsequenz daraus lautet: Der Kapitalismus muss überwunden werden.
Die elterliche Lüge – der unsichtbare Vertrag
Erinnerst du dich noch an den Moment, als deine Eltern dir verklickert haben, dass Knechtschaft so sein muss?
Du sollst es einmal besser haben als wir.
Meinst du damit, dass mein Leben wirklich mir gehört? Dass ich weder das Reparaturprojekt für euer eigenes Bedauern bin noch ein Rädchen im Getriebe anderer sein muss?
Das Leben ist kein Wunschkonzert. Jeder muss seinen Teil beitragen, so ist die Welt nun mal eingerichtet.
Die Lüge ist nicht das Versprechen auf ein besseres Leben, sondern die unsichtbare Bedingung, die daran geknüpft ist: Dankbarkeit durch Anpassung.
Ist-Zustand
Treten wir einen Schritt zurück und versuchen, einen Blick auf das Big Picture zu erhaschen.
Ist dir aufgefallen, dass jedes Mal, wenn etwas ’nicht geht‘, es eigentlich am Geld liegt?
Niemand jedoch denkt den Schritt konsequent weiter und benennt das Geld als Problem. Wieso?
Wir beschäftigen uns mit Symptomen. Auf dieser Ebene sind wir unfähig, ein Problem zu lösen. Dies bedeutet: Solange die Wurzel nicht benannt wird, werden immer neue Lösungen für Probleme gefunden, die das System selbst erzeugt – ein Kreislauf ohne Ausweg.
Ziele
Der Mensch muss aus der Arbeit entfernt werden.
Der Kapitalismus wird dadurch verdrängt.
Sämtliche Symptome und Folgeprobleme, die der Kapitalismus verursacht, werden dadurch gelöst – ihr Ursprung wird beseitigt.
Damit dieser Effekt eintritt, muss die Eigentumsfrage gelöst werden: Automatisierte Unternehmen dürfen nicht zur Grundlage eines neuen Maschinenkapitalismus werden. Die Transition schließt deshalb eine schrittweise Überführung der automatisierten Produktionsmittel in gesellschaftliche Kontrolle ein – sodass die Früchte der Maschinen allen gehören, nicht den Eigentümern von gestern.
Generationen
Da es sich um die schrittweise Überwindung des Kapitalismus handelt, wird unsere Gesellschaftsform verändert.
Dieser Vorgang (Transition) ist eine weitreichende Maßnahme, die über drei Generationen vollzogen wird.
Es sind politische Grundlagen festzulegen; Forschung und Entwicklung in Automatisierungstechnologie sind erforderlich.
Die konkrete Umsetzung der Automatisierung folgt. Die Transition wird danach abgeschlossen werden.
Durchführung
Unternehmen automatisieren nach eigenem Können. Da es eine Generationenaufgabe ist, ist hier keine zwingende Eile geboten.
Da die politische Richtlinie aber ‚Befreiung des Bürgers‘ lautet, wird die Transition überwacht.
Der Bürger selbst wird live auf einer Heatmap erkennen können, welche Unternehmen automatisiert sind bzw. welchen Fortschritt noch nicht automatisierte Unternehmen haben. Die Heatmap zeigt dabei zwei Ebenen: den Fortschritt einzelner Unternehmen und – als nächste Stufe – die kommunale Autarkie. Eine Kommune gilt als autark, wenn ihre Infrastruktur die Versorgung aller Bürger trägt. Das ist der Moment, ab dem die Lohnfortzahlung in dieser Kommune endet – sichtbar für alle.
Automatisierte Unternehmen werden geografisch und organisatorisch zu Einheiten zusammengefasst (kein Branchenbezug!).
Hierdurch entsteht der Effekt, dass durch die zunehmende Fläche der Kapitalismus verdrängt wird.
Unternehmen, die keinen Import mehr benötigen, der auf menschlicher Arbeit beruht, gelten als automatisiert. Eine unvermeidliche Restabhängigkeit besteht bei Rohstoffen – diese ist jedoch kein Hemmnis, da Rohstoffimporte keine menschliche Verwertung im Inland erzeugen. Dieser Effekt wird wahrscheinlich erst auf kommunaler Ebene auftreten.
Durch den strategischen Wegfall des Dividendenzwangs und des unendlichen Wachstums können auch hier weitere Kosten gesenkt werden.
Unternehmen, die die Transition absichtlich verzögern – wobei es durchaus legitime Gründe geben kann – werden von ihren Verantwortlichen getrennt. In diesem Fall wird jemand aus der Generation II zugewiesen.
Unternehmen, die sich nicht automatisieren lassen, müssen auf gesellschaftlichen Nutzen geprüft werden – fehlt dieser, wird das Unternehmen aufgelöst und die Mitarbeiter kommen woanders unter.
Dasselbe gilt auf Branchenebene: Branchen, die gesellschaftlich problematisch sind – unabhängig von ihrer Automatisierbarkeit – werden nicht in die Transition einbezogen. Sie werden auf gesellschaftliche Notwendigkeit geprüft; fehlt diese, werden sie im Rahmen der Transition aufgelöst.
Auch gibt es Unternehmen, die gesellschaftlich wichtig sind, aber nicht eigenständig automatisiert werden können. Ist eine Automatisierung nur in Kooperation mit anderen möglich, ist zunächst der gesellschaftliche Nutzen zu hinterfragen – denn wer nur gemeinsam mit anderen existieren kann, hat möglicherweise keinen eigenständigen Daseinszweck. Ist der Nutzen gegeben, schließen sich diese Unternehmen zusammen und automatisieren ihre Leistung gemeinsam. Fußpflege zum Beispiel: ein gemeinsam genutztes Gerät, das keine Person mehr benötigt.